Im Sommer 1973 fuhr ich zum ersten Mal nach Berlin. Die Stadt wirkte wie ein gewaltiger Organismus, der gleichzeitig atmete, vibrierte und schwieg. Ich sah mir mehrere Studentenwohnheime an, streifte durch Straßen, die mir fremd und doch seltsam vertraut erschienen, und wusste: Hier würde ein neuer Abschnitt beginnen.
Nach Semesterbeginn wohnte ich zunächst in der Augsburger Straße und fuhr mit der U Bahn vom Wittenberger Platz zur Universität. Für uns Studenten von der Fachhochschule gab es klare Hürden: Mathematik, Mechanik und Thermodynamik mussten bestanden werden, um ins Hauptstudium zu gelangen. Die Thermodynamikprüfung musste ich zweimal ablegen – ein kleiner Stolperstein auf einem langen Weg.
Später zog ich ins Studentenwohnheim Sigmunds Hof. Auf demselben Stockwerk lebten meine Schwester Dorothea, Katharina und Dorothea Wille, Eli Jablonski und Tashiro aus Japan. Die Flure rochen nach Kaffee, Büchern und Gesprächen, die bis spät in die Nacht reichten.
Ich traf Elmar Frank, den ich aus Stuttgart kannte, und hatte eine Beziehung mit seiner Freundin, von der er sich später trennte. Einer meiner Lehrer war Professor Gerd Brunk, bei dem ich eine studentische Tutorstelle übernahm.
1976 reiste ich mit meiner Freundin Angelika Schaaf nach Schweden und Norwegen. Wir fuhren über Schweden zum Nordkap. Es war so warm, dass ich morgens im Schatten neben dem Zelt schlief – ein stiller, fast unwirklicher Moment am Rand Europas.
Später, östlich von Tromsø, wollten wir in Hegeli zelten, doch die Mücken waren so zahlreich, dass wir ins Hotel nach Olderdalen flüchteten. Wir passierten den Trollstigen und den Geirangerfjord, nahmen die Fähre nach Hellesylt und fuhren von Lærdal nach Aurland über einen nicht asphaltierten Weg. In Oslo übernachteten wir bei Erna Marie Braaten. 1976 war ein ungewöhnlich warmer Sommer, der sich wie ein weiches Tuch über die Reise legte.
Nach dem Grundstudium wählte ich Physikalische Ingenieurwissenschaft – ein Fach, das ich 1978 mit sehr guten Noten abschloss. Ich kannte Solveig Hahn, Ruth und Inge Mildenberger, deren Onkel einmal Sachbaš Bibić kannte und seine Bekannte Angela.
Ich traf auch Manfred Strecker, der Philosophie studierte und den ich später nach Schwaben mitnahm. Aus Alfdorf war Notdurft in Berlin.
Einmal parkte ich falsch. Da ich glaubte, das Schild sei neu, ging ich zur studentischen Rechtsberatung. Man riet mir, Einspruch zu erheben und nach drei Monaten eine andere Person als verantwortlich anzugeben. Nach drei Monaten war die Sache verjährt. Von da an bezahlte ich keine Gebühren für falsches Parken mehr. Die Polizei schoss jährlich auf mehr als fünfzig Personen; etwa fünfzehn starben. Ich sagte mir: Wenn die Polizei weniger Menschen tötet, werde ich die Gebühren bezahlen. Das geschah nicht.
Ich hatte Besuch von Sieglinde (Siggi) Abele, die in Berlin als Sängerin vorsang. Sie war talentiert, freundlich, ohne jede Spur von Primadonna Allüren. Ich besuchte auch Familie Schilk und ging mit Petra und ihrem großen Hund spazieren. Ihre Schwester Dagmar war Rechtsanwältin. Petras Vater, ein Steuerberater, fragte mich, wie das Studium sei. Ich sagte, politisch sei es wie die Gesellschaft selbst. Er meinte, die Universität sei weltfremd und lehre den Studenten nicht, wie sie etwas einem Kunden erklären sollten.
Ich erinnere mich gut an Peter Bachert, mit dem ich noch Kontakt hatte, als ich am 5. Februar 1982 nach Norwegen auswanderte. Er war Weihnachten 1982 in Haselbach. Doch 1983 wollte meine Mutter ihn nicht mehr im Haus haben, weil er die Wohnstube voll rauchte.
Zusammen mit Doris Ganter sahen wir den Berufsverbotsprozess eines Mitglieds der Aktion Demokraten und Sozialisten. Danach saßen wir auf dem Rasen der TU Berlin und beobachteten eine Senatssitzung – ein Moment zwischen politischer Ernsthaftigkeit und studentischer Leichtigkeit.
Mein Studium endete mit der Diplomarbeit über Finite Elemente:
Die Entwicklung eines Makro Viereckelements zu einem modifizierten DIRICHLETschen Variationsprinzip, betreut von Professor Klaus Knothe.