[Norwegisch]

Beziehung zu Norwegen: Von Begeisterung zu Enttäuschung und Albtraum

Norwegen war mein liebstes Urlaubsland, das ich zwischen 1970 und 1981 viele Male besuchte. Ich lernte schließlich Norwegisch in der Abendschule und 1980 an der Universität. In Deutschland wurde mir mit fristloser Kündigung gedroht. Die gründe müsste ich selber wisen. Aufgrund mangelnder Transparenz war es schwierig, meine Rechte durchzusetzen. Bayern hatte – im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern – noch immer kein Informationsfreiheitsgesetz. Das Recht auf Information (Informationsfreiheit) ist ein Menschenrecht. Ich beschwerte mich darüber beim UN-Menschenrechtsrat. Ich genoss zwar rechtlichen Schutz im Arbeitsverhältnis, doch im Zusammenhang mit einem Antrag auf Umgang mit Verschlusssachen wurde mir mit Kündigung gedroht. Es wurde kein Grund genannt, und man sagte mir, ich müsse selbst herausfinden, warum. Meine Kollegen hegten Misstrauen, das sich auch nach der Genehmigung des Antrags bestätigte. Deshalb wanderte ich aus.

Während der Ferien 1981 lernte ich Randi Vangen in Høvringen bei Rondane kennen. Sie schickte mir die Anzeige, dass CorroCean AS einen Berechnungsingenieur für Korrosionsschutz suchte. Ich bewarb mich, erhielt eine Aufenthaltserlaubnis und eine Stelle in Trondheim.

Ich, Walter Keim, geboren am 25.03.1948, wurde in Deutschland diskriminiert und erlebte unzureichende Patientenrechte und mangelnde Informationsfreiheit/Transparenz. Gott hat die Meinungsfeinheit in meine Wiege gelegt. In Skandinavien hatte Schweden das Prinzip des öffentlichen Zugangs zur Verwaltung bereits vor über 250 Jahren eingeführt, und Norwegen gehörte 1970 zu den ersten Ländern in Europa mit einem entsprechenden Gesetz. 1999 wurde ein Patienten- und Nutzerrechtgesetz verabschiedet, das die Patientenrechte stärkte. Norwegen scheint deutlich besser dazustehen als Deutschland.

Anfangs empfand ich die Verhältnisse in Norwegen in vielerlei Hinsicht als paradiesisch. Ich arbeitete für ein Beratungsunternehmen im Ölsektor. Doch im Zuge der Ölkrise wurde ich entlassen. Es war ein Schock zu erfahren, dass die Entlassung nicht gesetzlich geregelt war und ich fast die Hälfte meines Einkommens verlor. Als mein Gewerkschaftsanwalt hinter meinem Rücken Besprechungen abhielt, engagierte ich einen Anwalt, der mich betrog. Ich musste rechtliche Schritte einleiten, um einen Teil seiner Versprechen zu erhalten.

Ich wurde krankgeschrieben. Meine Erfahrungen als Patient, Angehöriger und Mitglied von Patientenorganisationen zeigten, dass Patienten scheinbar wenig Rechte haben und die gesetzlichen Bestimmungen werden nicht eingehalten. Beispielsweise wurde der Partner, der gegen die Verweigerung einer Operation protestierte, zum Schweigen gebracht, und das St. Olavs Krankenhaus, der Amtsarzt, die norwegische Gesundheitsaufsichtsbehörde, die Ethikkommission (KEK), die norwegische Patientenschadensregulierungsbehörde (NPE) und der Bürgerbeauftragte versagten in ihren Aufsichtspflichten. Skandinavien ist weltweit führend in Sachen Transparenz, doch ich erlebte, wie die Psychiatrie diese untergrub. Kann die Psychiatrie so lange bestehen, weil die Menschen zu viel hinnehmen?

Als Universitätsdozent erlebte ich den Übergang von direkter Demokratie zu einer bürokratischen Regierungsform. Die Unordnung war so extrem, dass die Bürokratie Entlassungen vorschlug. Informationsanfragen und die Vorwarnung vor Kostensteigerungen führten zu Rügen, sprich Vergeltungsmaßnahmen. Als nur die Studentenzeitung etwas Interesse zeigte, die reguläre Presse aber nicht, befragte ich mich selbst. Dabei kam ich zu dem Schluss: Angestellte sehe ich nicht als Menschen mit Rückgrat wie Untertanen ohne aufrechten Gang. Ich verlasse HiST mit demselben Kommentar wie mein schwäbischer Landsmann Albert Einstein Deutschland: Die Leute (hier vor allem die HiST-Leitung) haben ihr großes Gehirn umsonst bekommen, das Rückenmark hätte genügt. Ein Interview über HiST mit Walter Keim fasst den Kulturkonflikt treffend zusammen.

Nach meiner vorzeitigen Pensionierung zog ich 2010 von meiner Wohnung in der Torshaugv. 2C in Trondheim, wo ich 25 Jahre gelebt hatte, in das Haus Tunstad in Bolme/Rindal um. Dort habe ich mich lange Zeit sehr wohlgefühlt und viele schöne Erlebnisse gehabt.

Norwegen schien mir ein Paradies zu sein, als ich 1982 ankam. Damals verstand ich wenig. Jetzt ist es ein Albtraum.

Seitdem habe ich versucht, das die Norwegische Psychiatrische Gesellschaft, die Gesundheitsdirektion und das Gesundheitsministerium im Hinblick auf den exzessiven Einsatz von Zwangsmitteln die Gesetze respektiert. Doch trotz des Beschlusses des Parlaments (Storting), Zwangsmittel zu reduzieren, ist der Widerstand zu groß, um ein akzeptables Niveau zu erreichen.

Dieses Versagen auf allen Ebenen scheint so lange weiterzugehen, wie man diesen Skandal hinnimmt. Aber internationale Verpflichtungen fordern den Einzelnen auf, die Menschenrechte zu verteidigen.

Ich bin aus Deutschland emigriert, weil ich diskriminiert wurde. Jetzt versuche ich, mich vor Folter und unmenschlicher Behandlung mit einer deutschen Patientenverfügung zu schützen gegen Behandlung im norwegischen Gesundheitssystem. Was für eine Enttäuschung!

Ich schrieb an den norwegischen Staatsminister: „NORWEGEN MUSS DIE RECHTE VON MENSCHEN MIT BEHINDERUNGEN VOLLSTÄNDIG ACHTEN“ basiert auf einer Unterschriftkampagne „Make Norway respect rights of persons with disabilities“. Ich informierte ein Mitglied des VN Komitees gegen Tortur: „Dramatischer Anstieg von Zwang in Norwegen stieg in den letzten 2 Jahrzehnten“ und publizierte den Aufruf die Tortur in der norwegischen Psychiatrie zu stoppen.

Die Beziehung zu Norwegen wandelte sich von anfänglicher Begeisterung zu tiefer Enttäuschung: Was zunächst wie ein Paradies empfunden wurde, entpuppte sich schließlich als Albtraum.

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